Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Das wilde Leben

› Historische Gärten wie der Schlossgarten Schwetzingen sind begehbare Kunstwerke. Sie demonstrieren Ordnung und Kontrolle über die Natur: Jede Hecke hat ihre exakte Form, auch natürlich wirkende Baumgruppen sind künstlich angelegt. Die vollkommene Verbindung aus geometrischem und landschaftlichem Stil im Schlossgarten Schwetzingen zählt zu den Meisterwerken europäischer Gartenkunst. Der Klimawandel bedroht jedoch die vielfältige Gartenanlage. Die immer heißeren Sommer und länger andauernden Trockenzeiten setzen den Pflanzen zu und bedrohen so den Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen. Gleichzeitig sind Bäume und Sträucher zunehmend geschwächt. Das macht es neuartigen Pilz- und Komplexerkrankungen einfacher, sie zu befallen. Der Erhalt der Bäume im Schlossgarten gleicht daher einem Balanceakt.

Denkmalpflege und Artenschutz

Dabei sind auch die größten Gewächse betroffen: Viele Bäume im Schlossgarten sind geschädigt, an einigen drohen sogar Astbrüche, die die Gäste beim Schlendern durch den Garten gefährden würden. Vor diesem Hintergrund fasste die Schlossverwaltung im Juni 2024 den Entschluss, den Englischen Landschaftsgarten im Nordwesten der Anlage zu sperren.

Immer öfter stehen die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg vor der Frage: Wie können Denkmalpflege und Artenschutz in Einklang gebracht werden? Denn ohne Artenvielfalt fehlt mehr als nur schöne Natur: Es fehlen saubere Luft, fruchtbare Böden, Bestäuber für unsere Nahrung — kurz: unsere Lebensgrundlage. Die Antwort lautet: Anpassung. Mit jahrhundertealten Kulturtechniken und neuen Ideen wird auf veränderte Bedingungen reagiert. Die Outdoorausstellung „Klimawandel in historischen Gärten — Baustelle Artenvielfalt“ zeigt nicht nur, was unternommen wird, sondern auch, wie die Gäste den Arten in ihrer Umgebung helfen können.

Pilze, Insekten, Vögel und Mikroorganismen

An 16 Stationen wird die Artenvielfalt im Schlossgarten Schwetzingen vorgestellt und erklärt, wie diese bei der Anpassung an den Klimawandel hilft. Der Garten wird dabei zur Ausstellungsfläche und zum Denkraum. Neben den Ursachen für den Klimawandel zeigt die Ausstellung auch Maßnahmen dagegen, wie andere Pflanzkonzepte, eigene Anzucht oder ein angepasstes Pflegemanagement.

Ein zentraler Gedanke der Ausstellung ist die Bedeutung der Artenvielfalt. Sie ist kein schmückendes Beiwerk, sondern eine Voraussetzung für die Zukunft des Gartens. Wo vielfältige Pflanzen- und Tiergemeinschaften existieren, entstehen stabilere ökologische Systeme. Pilze, Insekten, Vögel und Mikroorganismen tragen dazu bei, dass Böden fruchtbar bleiben, Pflanzen widerstandsfähiger werden und natürliche Kreisläufe funktionieren. Der Schlossgarten wird so zu einem Lernort, der zeigt, wie der Verlust von Biodiversität unsere Lebensgrundlagen bedroht.

Geschützte Räume und invasive Arten

Neben den Pflanzen rückt die Ausstellung auch die tierischen Bewohner des Gartens in den Fokus. Totholzpyramiden bieten geschützten Käferarten neuen Lebensraum, das gezielte Abfischen von übermäßigem Algenwachstum in den Gewässern schützt Fische und Amphibien. Vorgestellt werden zudem neu entdeckte Pilzarten, die in Symbiose mit den Bäumen leben und im geschützten Gartendenkmal beste Bedingungen finden. Auch der klimabedingte Wandel der Vogelwelt wird thematisiert, inklusive der Frage, wie invasive Arten das ökologische Gleichgewicht verändern.

Ein Highlight der Ausstellung ist die Präsentation des Projekts „Vivaldis (uncertain) Four Seasons“. Im Zentrum stehen Vivaldis Originalwerk sowie eine KI-generierte Adaption, die auf Klimadaten der Stadt Schwetzingen basiert. Die vom Landesjugendorchester Baden-Württemberg eingespielte Musik ist im Rahmen der Ausstellung zu hören und macht erlebbar, wie sich die Zukunft anhören könnte, mit möglicherweise ganz anderen Vogelarten und Extremwetterereignissen. Die Dokumentation der Umsetzung des Projekts wird in der Gartenausstellung im südlichen Zirkelbau dauerhaft zu sehen sein. Nicht nur an dieser Stelle lädt die Ausstellung die Gäste dazu ein, selbst aktiv zu werden und etwas für den Artenschutz zu tun. Dazu wird an jeder Station auf Projekte und Initiativen verwiesen, die dazu einladen, beim Artenschutz mitzuwirken. ‹


Ausstellung „Klimawandel in historischen Gärten — Baustelle Artenvielfalt“
15. April bis 01. November 2026
Schlossgarten Schwetzingen
www.schloss-schwetzingen.de
Bildnachweis:
Merkurtempe, Foto: Henrike von Werder

Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg öffnen, vermitteln, entwickeln und bewahren 59 der landeseigenen historischen Monumente im deutschen Südwesten. In der Metropolregion Rhein-Neckar ist die Verwaltung der Staatlichen Schlösser & Gärten für das Schloss Heidelberg, das Barockschloss Mannheim sowie Schloss und Schlossgarten Schwetzingen zuständig. Das Themenjahr 2018 steht unter dem Motto „Von Tisch und Tafel“ und lockt die Besucher mit vielen attraktiven Angeboten in die historischen Anlagen.
AdresseStaatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg – Zentrale // Schlossraum 22 a // 76646 Bruchsal // Telefon: 07251 742701 /E-Mail: info@ssg.bwl.de
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