Kunsthalle Mannheim

Ohne Tabus

› Glamour, Reichtum und Ruhm — Los Angeles steht wie keine andere Stadt in den USA für den amerikanischen Traum vom sozialen Aufstieg. Doch abseits der Hollywood Hills sieht die Realität oft anders aus: Menschen leben auf der Straße und kämpfen um ihre Existenz. Die Künstlerin Kaari Upson machte dies sichtbar. Aus weggeworfenen Sofas und Matratzen, die sie auf der Straße fand, formte sie Abgüsse aus Latex und Urethan und porträtierte so die Kehrseite ihrer kalifornischen Heimat.

Hier, in ihrem Atelier in LA, lernte Johan Holten, Direktor der Kunsthalle Mannheim, Kaari Upson einst persönlich kennen. „Ich war fasziniert davon, zu sehen, wie sie in ihrem Werk ihre eigene Psyche nach außen kehrte und mit allgemeingültigen psychologischen Erfahrungen verschmolz“, erinnert er sich. Gleichsam als Abschiedsgeschenk präsentiert Holten, der im April 2026 die Kunsthalle Mannheim verlässt, um die Leitung des ARKEN Museum of Contemporary Art nahe seiner Heimatstadt Kopenhagen zu übernehmen, mit Kaari Upson eine der markanten Stimmen der amerikanischen Gegenwartskunst.
  • Verfremdete Fundstücke – Für Werke wie „X (King)“ aus dem Jahr 2013 nutzte Kaari Upson auf der Straße gefundene Matratzen. Bild: X (King), 2013, Photo: Ed Mumford. © Esmé Trust / Kaari Upson Trust. Courtesy Sprüth Magers
Internationale Aufmerksamkeit erlangte Upson wenige Jahre vor ihrem frühen Tod im Alter von nur 51 Jahren durch ihre Teilnahme an der Biennale di Venezia 2019. In die Mannheimer Sammlung fand bereits 2020 mit der Skulptur „Mother’s Legs“ eines ihrer Werke Eingang. Herabhängende, riesenhafte Abgüsse von Beinen, die auf den ersten Blick wie Baumstämme wirken, sich dann aber als Körperteile entpuppen, veranschaulichen wesentliche Charakteristika von Upsons Schaffen: Alltäglichkeit und Verfremdung, Schönheit und Grauen, Realität und Imagination prallen hier aufeinander. Mit detektivischem, oft obsessivem Blick erforschte sie die Beziehung zwischen Selbst und Anderen, zwischen Innenwelt und gesellschaftlicher Realität — nicht selten verbunden mit einer kritischen Auseinandersetzung mit dem (amerikanischen) Familienleben. Verstörend wie eindrücklich sind Upsons Welten. Noch bis Ende Mai werden ihre Skulpturen, Installationen, Videos und Zeichnungen in Mannheim zu sehen sein. ‹

Kaari Upson. Dollhouse — Eine Retrospektive
bis 31. Mai 2026, Kunsthalle Mannheim
www.kuma.art

La vie moderne — Grafiken von Manet bis Picasso
  • Henri de Toulouse-Lautrec, La Loge au mascaron doré, 1894, Kunsthalle Mannheim
Das Graphische Kabinett der Kunsthalle Mannheim beheimatet vielfältige Schätze der französischen Avantgarde. Ab Ende März sind Werke aus der historisch gewachsenen Sammlung zu sehen. Zeichnungen, Aquarelle, Lithografien, Radierungen und Holzschnitte aus der Zeit zwischen 1870 und 1918 illustrieren diese bewegte Epoche und zeigen die beeindruckende Dichte an Ausnahmekünstler*innen, die sie hervorbrachte — von Édouard Manet, Pablo Picasso und Auguste Rodin über Henri de Toulouse-Lautrec bis zu Paul Cézanne, Paul Gauguin und Sonia Delaunay.
La vie moderne
27.03.–05.07.2026, Graphisches Kabinett, Kunsthalle Mannheim
kuma.art
Bildnachweis:
Kaari Upson photographed with Mother’s Legs, 2018-19, Go Back the Way You Came, Kunsthalle Basel, 2019, Photo: Dominik Asche. © Kaari Upson, Esmé Trust / Kaari Upson Trust

Kunsthalle Mannheim

Die Kunsthalle Mannheim zählt mit ihren Spitzenwerken von Edouard Manet bis Francis Bacon und ihrem Skulpturenschwerpunkt zu den renommiertesten Sammlungen von deutscher und internationaler Kunst der Moderne und der Gegenwart. Hochkarätige Sonderschauen internationaler zeitgenössischer Kunst vervollständigen das Ausstellungsprogramm. Gezeigt werden sie im Kerngebäude, dem imposanten, frisch sanierten Jugendstilbau von Hermann Billing aus dem Jahre 1907. Bis 2017 entsteht außerdem ein zukunftsweisender Neubau, der die Ausstellungsfläche um rund 1.300 Quadratmetern erweitert.
Terminbis 31. Mai 2026
AdresseKunsthalle Mannheim // Friedrichplatz 4 // 68165 Mannheim // Tel. 0621 293 6413 // kunsthalle@mannheim.de
ÖffnungszeitenDienstag bis Sonntag 10–18 Uhr, Mittwoch 10–20 Uhr, 1. Mittwoch im Monat 18-22 Uhr (freier Eintritt)
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