TECHNOSEUM

Tanz der Moleküle

› Es war eine Erfindung, die die Welt veränderte: die Ammoniaksynthese, auch Haber-Bosch-Verfahren genannt. Vom Chemiker Fritz Haber Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt, ermöglichte Carl Bosch bei der BASF die Herstellung auf industriellem Niveau. Nach der Erteilung des Patents 1911 startete die industrielle Verwertung. Im Jahr 1913 nahm die BASF am Standort Ludwigshafen-Oppau die erste Anlage zur Ammoniaksynthese in Betrieb.

Kunstdünger, Haushaltsreiniger und Farben

Das so gewonnene Ammoniak bildete die Basis zur massenhaften und gleichzeitig relativ günstigen Herstellung von Kunstdünger, der in den folgenden Jahren in der Landwirtschaft massive Ertragssteigerungen ermöglichte und so die Grundlagen dafür legte, dass eine rasant steigende Weltbevölkerung überhaupt ernährt werden konnte. Heute werden 99 Prozent des weltweit hergestellten Ammoniaks nach dem Haber-Bosch-Verfahren hergestellt, das auch als Grundchemikalie für viele andere Produkte wie etwa Haushaltsreiniger oder Farben dient.

Die Ammoniaksynthese, für die Fritz Haber 1918 und Carl Bosch 1931 den Nobelpreis erhielten, ist zwar ein Klassiker des Chemieunterrichts, aber dennoch ein komplexer Prozess, der nicht sofort verständlich ist. Aus diesem Grund hat das TECHNOSEUM zwei neue Medienstationen installiert. Zwei jeweils zweiminütige Animationsfilme erklären dort das Verfahren und seine Folgen — leicht verständlich und mit Humor: Moleküle tanzen da um einen Katalysator in Gestalt einer Discokugel und Weizenähren wachsen glücklich lächelnd dank Stickstoffzufuhr.

Ammoniaksynthese — wie war das nochmal?

Die Stationen sind auf den Ebenen D und F zu finden — direkt an der Fensterfront mit Blick auf den zwölf Meter hohen Ammoniakreaktor der BASF aus dem Jahr 1922 (Bild oben), der auf dem Außengelände steht. „Es gibt wohl wenige technikgeschichtliche Objekte, die das alltägliche Leben aller Menschen so stark beeinflusst haben“, betont Andreas Gundelwein, wissenschaftlicher Direktor TECHNOSEUM. „Gleichzeitig ist ein Ammoniakreaktor ein Objekt, dessen Funktion und Bedeutung sich nicht unmittelbar erschließen. Hier war ein besonderer Ansatz für die Vermittlung gefragt, den wir ohne die Förderung der Klaus Tschira Stiftung nicht hätten umsetzen können.“ Entwickelt hat das TECHNOSEUM die Filme gemeinsam mit dem Carl Bosch Museum Heidelberg, wo die Filme ebenfalls zu sehen sind.

Und die Filme klammern auch nicht die Schattenseiten der technischen Innovation aus: So bildet die Ammoniaksynthese nicht nur die Grundlage für die Herstellung von Sprengstoffen, sie ist auch für schätzungsweise ein Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Vielfältige Auswirkungen also, die heute hochaktuell sind. ‹
Bildnachweis:
Carl Bosch und Fritz Haber, Still Animationsfilm

TECHNOSEUM

Das TECHNOSEUM ist eines der großen Technikmuseen in Deutschland. Die Entwicklungen in Naturwissenschaften und Technik vom 18. Jahrhundert bis heute sowie der soziale und wirtschaftliche Wandel, den die Industrialisierung ausgelöst hat, sind Themen der Dauerausstellung. Maschinen werden nicht einfach gezeigt, sondern in Ensembles inszeniert, Vorführtechniker erklären Arbeitsabläufe und beantworten Fragen. Selbst aktiv werden darf man in der Experimentier-Ausstellung „Elementa“: Technische Erfindungen lassen sich hier durch eigenes Ausprobieren nacherleben. Mit Sonderausstellungen zu Themen aus Naturwissenschaften, Technik und Gesellschaft ist das Museum zugleich Forum für aktuelle Debatten. Komplettiert wird das Programm durch Vorträge, Workshops und spezielle Angebote für Kinder und Jugendliche.
AdresseTECHNOSEUM // Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim // Museumsstr. 1 // 68165 Mannheim // Telefon: 0621 4298-9 // E-Mail: info@technoseum.de
Öffnungszeitentäglich 9 bis 17 Uhr
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