UNESCO City of Literature

Zwei Heidelberger Ikonen

› Wer Klaus Staecks Werk (neu) entdecken will, muss sich in einen Raum begeben, den der Künstler selbst „Höhle“ nennt: sein Atelier in der Heidelberger Ingrimstraße. Eine dicht geschichtete Papierlandschaft aus Postkarten, Werbeprospekten, Zeitungsausschnitten und Fundstücken bildet seit Jahrzehnten den Ausgangspunkt einer täglichen Collagepraxis. Bis zu zehn Arbeiten entstehen hier pro Tag — leise Gegenstücke zu jenen zugespitzten Bild-Text-Montagen, mit denen Staeck zu einer der prägendsten Stimmen politischer Kunst in Deutschland wurde.

Mit der Ausstellung „Klaus Staeck — Papierarchiv Höhle“ porträtiert das Kulturamt der Stadt Heidelberg das Werk eines Künstlers, der politische Intervention und künstlerische Praxis untrennbar verbunden hat. Seit den 1970er-Jahren mischt sich Staeck (*1938) mit besagten Bild-Text-Montagen in Form von Plakaten und Postkarten in gesellschaftliche Debatten ein. Unter dem Leitsatz „Die Kunst findet nicht im Saale statt“ versteht er Kunst als öffentliche Handlung — als demokratischen Eingriff in den Alltag. Die Ausstellung zeigt neben dem öffentlichen Plakatkünstler auch den privaten Sammler und Ordner von Bildern: Die „Höhle“ wird zur Denklandschaft, die Collage zur Methode, um Wirklichkeit neu zu ordnen. In der Ausstellung ist zudem ein digitaler 3-D-Scan zu sehen, der es erlaubt, Staecks Atelier in der Ingrimstraße virtuell zu betreten und diese besondere Arbeitsumgebung aus nächster Nähe zu erleben.Auch der Arbeitsumgebung von Hilde Domin können die Besucher*innen in einer der Lyrikerin gewidmeten Ausstellung im Museum Haus Cajeth nachspüren. Die 1909 in Köln geborene Dichterin zieht im Jahr 1929 nach Heidelberg, um dort Jura zu studieren. Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft ist sie von Verfolgung bedroht und lebt ab 1932 insgesamt 22 Jahre an verschiedenen Orten im Exil, bevor sie 1954 in die Bundesrepublik zurückkehrt.
  • Hilde Domin in ihrem Arbeitszimmer.Foto: Christian Buck
  • Klaus Staeck im Atelier. Foto: Philipp Rothe
Doch trotz dieser Ortswechsel begleiten sie lebenslang persönliche Gegenstände wie etwa ein klappbarer Reise-Schreibtisch von einem Straßenmarkt in Madrid oder eine Holztaube mit gebrochenem Flügel. Die Ausstellung präsentiert anlässlich ihres 20. Todestages solche Originale, weitere Erinnerungsstücke sowie Dokumente und Schriftstücke. Im Mittelpunkt steht Domins poetisches Denken, das Hoffnung und Standhalten angesichts von Verlust, Exil und Brüchen formuliert. Eine umfangreiche Bücherschau mit zahlreichen Übersetzungen verdeutlicht den internationalen Stellenwert ihres über 20 Bände umfassenden Werks und ihre Bedeutung für die UNESCO City of Literature Heidelberg. Als Ergebnis eines gemeinsamen Übersetzungsprojekts der Partnerstädte Heidelberg und Montpellier sind zudem französische Übersetzungen ihrer Gedichte im Wunderhorn-Verlag erschienen. ‹

Klaus Staeck– Papierarchiv Höhle
bis 26. April 2026, Friedrich-Ebert-Haus, Heidelberg
www.cityofliterature.de

Nicht müde werden. Hilde Domin (1909–2006) — Ausstellung mit Rahmenprogramm
bis 21. März 2026
Museum Haus Cajeth, Heidelberg
www.cityofliterature.de
Bildnachweis:
Klaus Staeck, Ohne Titel, Collage, Mixed Media, 2006

Heidelberg – UNESCO City of Literature

Literatur ist in Heidelberg allgegenwärtig. Beim Spaziergang durch die Stadt findet man an jeder Ecke Buchhandlungen, Antiquariate, Verlage und Bibliotheken. Es vergeht kaum ein Tag ohne literarische Veranstaltung, kein Sommer ohne das Literaturfestival Heidelberger Literaturtage, kein Jahr ohne literarische Preisträger. Ein Blick in die lebendige Autoren-, Übersetzer- und Theaterszene zeigt die hohe literarische Produktivität in der Neckarstadt. Auch für die Zukunft setzt Heidelberg alles daran, Literatur zu stärken. Seit 01. Dezember 2014 ist die Stadt offizielles Mitglied im „UNESCO Creative Cities Netzwerk“ als „UNESCO City of Literature“.
TerminDO 05. März bis SO 26. April 2026
facebooktwitterg+Mail