Mannheimer Sommer

Wir sind im Garten

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    Sommerfrische: Das Schwetzinger Schloss mit seinem prächtigen Garten ist dieses Jahr Zentrum des Mannheimer Sommers.
› Wer den Torbogen des Schwetzinger Schlosses durchquert hat, taucht von einer Sekunde auf die andere in das Dolce Vita des Barock ein. Blumenrabatten leuchten in wilden Farben. Buchsbäume sind zu schwungvollen Ornamenten gestutzt und die Alleen, Laubengänge und Brunnen markieren die Geometrie des Barockgartens. Auch für Festivalleiter Jan Dvořák ist jeder Besuch dort ein Stimmungsaufheller. „Dieser Schlossgarten ist ein Phänomen. Man kommt irgendwoher — abgehetzt, zerstreut, missgelaunt. Dann betritt man den Park und alles ändert sich. Man spürt körperlich, wie Symmetrie und Schönheit einen aufrichten.“

Rauschende Feste

Dieses Hochgefühl möchte er mit dem Publikum teilen und während des zehntägigen Festivals rauschende Feste steigen lassen. Der Mannheimer Sommer zieht mit den meisten seiner Veranstaltungen nach Schwetzingen, nicht zuletzt wegen der Sanierung des Nationaltheaters. So wird das Schwetzinger Barockensemble zur wohl schönsten Ausweichspielstätte, die man sich vorstellen kann — mit den verspielten, stuckverzierten Innenräumen und einem Garten, der mit seinen 72 Hektar der größte Schlossgarten in Deutschland ist. In diesem pittoresken Ambiente soll gefeiert und ein Gegenakzent zur derzeitigen Krisenstimmung geschaffen werden. Doch Opernintendant Albrecht Puhlmann betont: „Das Thema ‚Fest‘ ist hier nicht banal gemeint, sondern im Sinne dieser utopischen Fähigkeit des Menschen, sich gemeinsam mit anderen zu verbinden.“
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    Spannende Formate: Während die US-Amerikanerin Jessica Gadani singt Ausschnitte aus Stephen Sondheims romantischem Musical „A Little Night Music“ singt, …
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    … entführt der Audiowalk „Der geheime Garten“ an magische Orte rund ums Schwetzinger Schloss und …
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    … bei „We in a Box“ trifft der Jazzschlagzeuger Joss Turnbull auf die Boxerin Everline Akinyi Odero. (Fotos: R.B. Schlather; Julia Kneuse; Joss Turnbull)
Inspiriert ist das Festivalprogramm von den aufklärerischen und allegorischen Ideen des Schlossgartens. „Ein Parcours von kleineren und größeren Konzerten, von Stücken und Performances wird die Räume der Schlossanlage, den Garten und die in ihm verstreuten Tempel füllen“, verspricht Dvořák. Auch musikalisch spannt er einen riesigen Bogen — von der Gotik über Mozart bis in die popkulturelle Moderne, wenn das Streichquintett „Wooden Elephant“ Björk covert.

Pflanzen bevölkern bekanntlich nicht nur den für uns sichtbaren Teil der Natur, sondern führen auch ein intensives Leben im Untergrund. Eine Welt voller Geheimnisse, der sich der Komponist Ziggy Has Ardeur und Konstantin Gropper (Foto oben), Kopf und Sänger der Band „Get Well Soon“, in ihrer Komposition „Rhizom“ — auf Deutsch Wurzelwerk — widmen. Das tiefschürfende Stück hatte bei der Bundesgartenschau Premiere und wird nun im Open-Air-Konzert „RE-CREATION“ wiederholt. Das Nationaltheater-Orchester ergänzt den Abend mit Haydns „Schöpfung“, Smetanas „Moldau“ und Mendelssohns „Hebriden-Ouvertüre“.

Jazz und Boxen

Auch der Apollo-Tempel auf einer Anhöhe, von der aus man bis in den Pfälzerwald sieht, wird bespielt. Die US-Amerikanerin Jessica Gadani nutzt den Monopteros als Bühne für eine Performance, in der sie Ausschnitte aus Stephen Sondheims romantischem Musical „A Little Night Music“ singt. Gegensätzlicher könnten die rohen Beats von „We in a Box“ nicht sein: Der Jazzschlagzeuger Joss Turnbull begleitet mit dem persischen Percussioninstrument Zarb-e-Zurkhaneh die Boxerin Everline Akinyi Odero dabei, wenn sie sich aufwärmt, mit dem Springseil trainiert und auf ihren Boxsack eindrischt.

Landschaftsmusik und Karaoke

Die sogenannte Landschaftsmusik erklingt an den unterschiedlichsten Ecken und Enden des kurpfälzischen Versailles. Skulpturen, Lindenspaliere und Kastanienalleen bilden die Kulisse für Instrumentalmusik, Streichquartette, Blechbläser-Canzone, Harfenklänge und sogar französische Chansons. Parallel dazu erfahren die Besucher*innen in Workshops, wie lokale Winzer*innen ihre Weine auf ökologische Art produzieren, während das interdisziplinäre Musiktheaterkollektiv „Kommando Himmelfahrt“ das Festivalpublikum beim Audiowalk „Der geheime Garten“ an magische Orte entführt.

Zum Abschluss bittet Dvořák zur Orchesterkaraoke. Unter seinem Dirigat übt die Akademische Philharmonie Heidelberg Karaoke-taugliche Popsongs ein. Die Besucher*innen wählen daraus ihren Hit und singen ihn mit Sinfonieorchester-Begleitung. Und anders als die Kurfürsten packen die Festivalmacher nicht erst im Herbst, sondern schon im Hochsommer wieder ihre Koffer, um nach Mannheim zurückzukehren. ‹

Mannheimer Sommer
27. Juni bis 7. Juli 2024
Schwetzinger Schloss, Nationaltheater Mannheim
www.nationaltheater-mannheim.de


Nicht verpassen!

Don Giovanni

Verführer, Philosoph und Genießer, aber auch Mörder, Lügner und Ausbeuter — Don Giovanni ist der zwiespältige Held der Oper aller Opern. Mit der Premiere geht der dreijährige Mozart-Da-Ponte-Zyklus zu Ende, den das Mannheimer Nationaltheater gemeinsam mit dem Nationaltheater Prag realisiert hat. Von der Trilogie wurden bereits „Cosi fan tutte“ und „Die Hochzeit des Figaro“ koproduziert.
29. Juni 2024, 18 Uhr, 02. & 04. Juli 2024, jeweils 19 Uhr, 07. Juli 2024, 15 Uhr, Schlosstheater Schwetzingen

Der Fremde

Zwischen den Zeilen ist vieles zu spüren, was Nordafrika ausmacht — Hitze, Gerüche, die Sonne und das Meer. Albert Camus’ Roman „Der Fremde“ hat die Komponistin Cecilia Arditto in ein Drama der Klänge verwandelt und damit 2020 den Kompositionswettbewerb des Mannheimer Sommers gewonnen. Jetzt wird die Kammeroper uraufgeführt.
30. Juni 2024, 18 Uhr, 03. & 06. Juli 2024, jeweils 20 Uhr, Studio Werkhaus, Mannheim

Mozart Dance Explosion

Ist Mozart eigentlich tanzbar? Die Mannheimer Lokalmatadore des Mumuvitch Disko Orkestars haben das Köchelverzeichnis nach geeigneten Werken durchkämmt. Und da sie fündig geworden sind, können die Besucher*innen mit dem Performancekünstler und Regisseur Daniel Cremer zum Mozart-Sound abtanzen.
02. & 03.Juli 2024, 20.30 Uhr, 04.Juli 2024, 19 Uhr,
05.Juli 2024, 19.30 Uhr, Jagdsaal, Schloss Schwetzingen

Rede in Es-Dur von Luisa Neubauer

Bei ihrer Rede in Es-Dur wird Luisa Neubauer vom Streichquartett des Ensembles Resonanz begleitet. Die prominente Klimaaktivistin analysiert, wie es mit der Aufklärung so weit kommen konnte, dass heute der ganze Planet gefährdet ist. Zu Klängen von Beethovens „Cavatina“ aus Opus 130 fragt sie, was wir noch hoffen können.
07. Juli 2024, 11.30 Uhr, Mozartsaal, Schloss Schwetzingen
Bildnachweis:
Clemens Fantur

Mannheimer Sommer

Der Mannheimer Sommer möchte — in Fortsetzung des erfolgreichen „Mannheimer Mozartsommers“ — den Blick noch weiter öffnen möchte auf die Fülle dessen, was die europäische Kultur hervorgebracht hat — und weiterhin hervorbringt! Gastspiele aus dem erweiterten Musiktheaterbereich ergänzen diese große Eigenproduktion: Performance, Tanz, Neue Musik, inszenierte Konzerte. Unterschiedliche Stile sind gefragt: vom klassischen Lied über Weltmusik bis zum Pop kann alles zur Grundlage für neuartige Musiktheaterabende werden.
TerminDO 27. Juni bis SO 07. Juli 2024
AdresseNationaltheater Mannheim // Goetheplatz // 68161 Mannheim //
Kartentelefon: 0621 1680-150 // E-Mail: nationaltheater.kasse@mannheim.de
SpielorteNationaltheater Mannheim & Schloss Schwetzingen
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