Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz

Das Geheimnis des Grafen

› Im dunklen Gang hallen die Schritte tief hinein in das unbekannte Innere der Hardenburg. Füße scharren Sand über den holprig gepflasterten Weg. Aufgeregt flüsternd bewegt sich die Gruppe voran … Was hier an diesem sonnigen Maitag auf der Bad Dürkheimer Hardenburg geschieht, ist trotz der langen Historie der Burg eine Premiere: Die Besucher*innen lassen sich nicht durch die historischen Mauern führen, sondern sie spielen ein Spiel. Ein Spiel, das gleichzeitig auf eine Zeitreise ins 15. Jahrhundert führt, als Graf Emich VI. auf der Hardenburg residierte. Zum Auftakt erhalten die Teilnehmer*innen ein Blatt Papier mit allerlei rätselhaften Codes, die sie nun im zugigen Durchgang möglichst schnell lösen müssen. Denn die Zeit ist begrenzt. Es bleibt nur eine Stunde, um den verborgenen Ort zu entdecken, und auf dem Weg dorthin warten noch viele weitere knifflige Fragen und Rätsel. Jede Lösung bringt die Gruppe — treppauf, treppab, vom dunkelsten Gang hinauf auf den höchsten Turm — näher an ihr Ziel.

„Hidden Places“, verborgene Orte, heißt das Erlebnisspiel, das die Burg Hardenburg seit Mai für Interessierte anbietet. Es erinnert an die beliebten Escape-Rooms, nur ist das Prinzip hier auf der Hardenburg auf den Kopf gestellt: Während die Spieler*-innen im Escape Room aus dem Raum, in dem sie eingesperrt sind, herausfinden müssen, ist es hier das Ziel, in einen verborgenen Raum hineinzufinden.

Ein Zettel voller Codes

Die Gruppe, die an diesem Vormittag die Premiere von „Hidden Places“ spielen wird, ist inzwischen vollzählig da. Los geht es im Eingangsbereich der Burg. Mit dem erwähnten Blatt voller Codes begibt sich die Gruppe auf die Suche nach ersten Anhaltspunkten. Die Codes führen zu Buchstaben, die Buchstaben zu einem Wort, das Wort führt zur nächsten Station. Es geht über den Hof, über eine Wiese voller Gänseblümchen. Der Ausblick reicht weit von hier oben. Ihn genießen die Spieler*innen, bis es die Treppe hinuntergeht. Jetzt heißt es: Köpfe einziehen und hinein in den dunklen Gang. Taschenlampen werden gezückt, Handylichter angeschaltet. Ein weiterer Hinweis verrät, wie eine Truhe hinter Gitterstäben zu öffnen ist. Knarrend öffnet sich der Deckel, ein Geräusch wie aus einem Horrorfilm. Eine Spielerin findet schnell heraus, wo das Werkzeug liegt, mit dessen Hilfe sie ans Innere der Truhe kommen. Am Ende zieht sie aus ihr mehrere Säcke voller weiterer Rätsel heraus. Wieder draußen breitet die Gruppe die Hinweise auf der Gänseblümchenwiese aus und die Spieler*innen versuchen die nächste Nuss zu knacken. Spürsinn ist dabei ebenso gefragt wie gute Zusammenarbeit. Viele Rätsel lassen sich nur gemeinsam lösen.
  • hardenburg bad dürkheim hidden places
    Schnitzeljagd – beim Erlebnisspiel kommen historische Requisiten zum Einsatz, die wertvolle Hinweis geben – oder knfflige Aufgaben stellen.
Entwickelt haben das Spiel Eveline und Andreas Fuchs, die sich auf besondere Erlebnisse für Besucher*innen von Burgen und Schlössern spezialisiert und mit dieser Idee vor zehn Jahren das Unternehmen „Burgenfuchs“ gegründet haben. Die beiden Spielentwickler*innen sind am Vormittag der Premiere von „Hidden Places“ vor Ort und schauen, dass alles passt. „Unser Ziel ist es, dass Besucher*innen durch dieses Format historische Orte spielerisch kennenlernen und vielleicht auch ganz neue Facetten entdecken“, erklärt Eveline Fuchs. Historisches Wissen ist dafür nicht nötig, der Spaß steht im Vordergrund.

Diesen haben die Spieler*innen, das ist offensichtlich. Sie fischen Gegenstände aus dem Wasser, ziehen historische Kleidungsstücke über, schieben Registertafeln hin und her und legen knotige Seile aus. Am Ende erhalten die Spieler*innen den nächsten Hinweis, der sie zur nächsten Station führt. Wieder ein dunkler Raum, in den das Licht spärlich aus kleinen Schächten in der Decke hineinschimmert. Am Boden umgehen die Teilnehmer*-innen vorsichtig eine große Pfütze, tasten sich immer weiter hinein in den dunklen Raum. Der Lichtkegel ihrer Taschenlampe leuchtet die hohe Decke ab. Es sind nicht nur die Rätsel, die „Hidden Places“ ausmachen, es ist auch die Burgruine und ihre besondere Atmosphäre.
  • hardenburg bad dürkheim hidden places
    Dem Geheimnis auf der Spur – "Hidden Places" führt die Spieler*innen auch durch dunkle Gänge in entlegene Winkel der Ruine. Historisches Wissen …
  • hardenburg bad dürkheim hidden places
    … ist für das Erlebnisspiel nicht wichtig, dafür aber gutes Teamwork.
  • hardenburg bad dürkheim hidden places
„Das Erlebnisspiel soll vor allem die Menschen auf die Burg bringen, die klassische Führungen nicht so ansprechen“, betont Thomas Hofmann von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz. Ihm und seinem Team sei die Idee während der Corona-Pandemie gekommen. „Wir wollten unser bestehendes Angebot an Living-History-Führungen und Erlebnistagen um eine weitere spielerische Komponente erweitern und waren deshalb vom Angebot von Burgenfuchs sehr angetan.“ Gebucht werden kann „Hidden Places“ von Gruppen bis zu maximal 25 Spieler*innen. Und auch für Klassen mit Schüler*innen ab zehn Jahren gibt es eine Variante. Nicht viel länger als eine Stunde dürften die Gruppen für die Lösung brauchen, schätzen die beiden Entwickler*innen. Und sollte eine Gruppe partout nicht weiterkommen, dürfen die Spielguides der Hardenburg auch hin und wieder einen Tipp geben.

Ein Durchgang und eine mittelalterliche Unterhose
Einen solchen Tipp braucht die Gruppe heute nicht. Rätsel um Rätsel führt die Spieler*innen quer durch die Hardenburg, bis sie schließlich — fast am Ziel angekommen — vor einem versperrten Durchgang stehen. Und wenn wir an dieser Stelle natürlich nichts verraten wollen, so viel sei gesagt: Auf dem Weg zur Lösung des Rätsels spielt eine mittelalterliche Unterhose eine wichtige Rolle und das Geheimnis des Grafen hat etwas mit seiner großen Liebe zu tun.

Nachdem das Rätsel gelöst ist, geht es wieder hinaus auf den Burghof und in den hellen Sonnenschein. Eveline und Andreas Fuchs sowie Thomas Hofmann sind zufrieden: Das Spiel hat gut geklappt und die Gruppe hat die Lösung innerhalb der vorgegebenen Zeit gefunden. Und auch die Meinung der Spieler*innen ist eindeutig: Das Spiel war spannend und hat in der besonderen Atmosphäre der Burg — mit ihren historischen Gemäuern und dem großartigen Ausblick über die Rheinebene — viel Spaß gemacht. Premiere gelungen, das Spiel kann weitergehen! ‹


Hidden Places
Mai bis Oktober, Dienstag bis Sonntag, zwischen 10 und 18 Uhr
Schloss- und Festungsruine Hardenburg, Bad Dürkheim
www.burgenlandschaft-pfalz.de/de/hardenburg
Infos und Anmeldung — Thomas Hofmann, Telefon 0261 66754826, E-Mail: Kulturpaedagogik-Pfalz@gdke.rlp.de
Preise — 50 Euro (Gruppen von 6 bis 12 Personen) & 100 Euro (Gruppen von 13 bis 25 Personen) zzgl. 4,50 Euro pro Person (Burgeintritt). Schulklassen zahlen 80 Euro plus 2 Euro pro Schüler*in Burgeintritt.




„An manchen Lösungen tüfteln wir wochenlang“

  • Eveline Andreas Fuchs brugenfuchs hidden places hardenburg
Eveline und Andreas Fuchs haben das Unternehmen Burgenfuchs gegründet, das sich auf Erlebniskonzepte in historischen Monumenten spezialisiert hat.
Wie fallen Ihnen die Geschichten für Ihre Spiele ein?
Eveline Fuchs: Alles, was wir uns ausdenken, ist angelehnt an wahre Begebenheiten. Wenn wir für eine Burg ein Konzept erstellen, lassen wir uns vorab sämtliches historisches Material geben. Unser Erlebnisspiel für die Hardenburg beruht auch auf einer realen historischen Person, dem Grafen Emich VI.
Was ist dann der nächste Schritt?
Eveline Fuchs: Wenn die Geschichte steht, machen wir mehrere Ortsbegehungen, um die Rätsel und Aufgaben zu entwickeln. Wir versuchen das Besondere an dem jeweiligen Ort zu entdecken, um es dann in einen ungewöhnlichen Zusammenhang zu setzen. Dabei geht es darum, den Blick der Spieler*innen auf vermeintlich Nebensächliches zu lenken. Daraus entstehen dann die Rätsel und Aufgaben.
Andreas Fuchs: Was dann kommt, ist die Papierarbeit. Wir erstellen eine Grafik, die zeigt, welche Lösung zu welcher Station führt, damit wir die Abhängigkeiten der einzelnen Schritte
voneinander erkennen können. Manchmal gibt es auch drei Rätsel, die parallel laufen und dann wieder zu einer Lösung führen. Da wird es dann ziemlich komplex.

Die Utensilien, die sie für die Rätsel benötigen, basteln Sie alle selbst?
Andreas Fuchs: Ja, manchmal tüftele ich an einer Lösung mehrere Wochen lang, bis sie funktioniert. Wir haben auch ein großes Arsenal an historischen Gegenständen, daraus kommen manche Dinge ebenfalls zum Einsatz.
Eveline Fuchs: Wir müssen dabei immer bedenken, dass absolut nichts schiefgehen darf. Denn wenn ein Rätsel nicht gelöst werden kann, dann ist das ganze Spiel verloren. Die Gruppe kommt dann nie auf das nächste Ergebnis. Wir probieren so lange aus, bis alles reibungslos funktioniert.

Was unterscheidet Ihre Spiele von einem Escape Room?
Eveline Fuchs: Bei uns steht die historische Kulisse im Vordergrund. Und dabei lernen die Spieler*innen die Historie der Burg kennen, ohne es wirklich zu bemerken.




Minnesänger, Räuber und Quacksalber

Schauspielführungen, Erlebnistage und Entdeckungstouren — neben dem „Hidden Places“-Spiel bieten sowohl die Burg Trifels als auch die Hardenburg viele spannende andere Living-History-Angebote.

BURG TRIFELS bei Annweiler


Entdeckertour auf Burg Trifels
Auf einer Tour durch die ehemalige Reichsburg lernen Kinder und Eltern die Lebenswelt der Ritter, Mönche und Kaiser im Hochmittelalter kennen und erfahren vieles Spannende und Interessante über das Alltagsleben in dieser Zeit, über den Burgenbau und die Kaiserkrone. Die Tour ist für Familien mit Kindern ab dem Vorschulalter geeignet.
  • trifels minnesänger führung
„… wo ich euch doch so von Herzen verehre!“
Der Minnesänger Heinrich vom großen Thale nimmt die Besucher*innen mit seiner Laute mit auf eine faszinierende Reise durch die Welt der mittelalterlichen Dicht- und Sangeskunst auf Burg Trifels — mit Melodien aus dem Mittelalter und Spannendem über Troubadoure, dichtende Ritter und die höfische Kultur zur Zeit der Stauferkaiser.
  • trifels löwenherz schauspiel führung
Die Befreiung des Richard Löwenherz
Richard Löwenherz, Ritter des dritten Kreuzzugs und König von England, ist auf dem Trifels gefangen. 23 Tonnen Silber soll seine Freilassung die englische Krone kosten. Eine damals wie heute unvorstellbar hohe Summe! Doch der nicht nur durch Robin-Hood-Legenden berühmt gewordene König hat enge Verbündete. Eine Geschichte voll von Intrigen, Machtkämpfen und großem Mut, dargestellt durch den Schauspieler Markus Maier.

Mit Bruder Ortlieb unterwegs
In der Altstadt von Annweiler heißt der Zisterziensermönch Bruder Ortlieb aus dem Kloster Eußerthal die Besucher*innen willkommen und nimmt sie mit auf seinem Weg hinauf zur Burg Trifels anno 1251. Auf dem Weg erfahren sie aus erster Hand Spannendes und Interessantes über das Leben im Mittelalter. Und auf der Burg wartet schließlich ein Schatz darauf, entdeckt zu werden.

Weitere Infos zu Terminen, Dauer und Anmeldung unter www.burgenlandschaft-pfalz.de/reichsburg-trifels


HARDENBURG bei Bad Dürkheim


Räubertage
Vorsicht! Am Pfingstwochenende hat sich eine Räuberbande auf
der Hardenburg eingenistet. Große und kleine Besucher*innen können das Alltagsleben der Räuber im 18. Jahrhundert hautnah miterleben und den Räuberinnen und Räubern über die Schulter und sogar in ihren Kochtopf schauen! Wer erfahren möchte, was Räuberzinken sind, welche Geheimsprache die Räuber sprachen und ob sie wirklich die Reichen ausraubten und die Armen beschenkten, ist an diesem Wochenende auf der Hardenburg richtig! Familien sind herzlich willkommen, Mitmachen ist erwünscht!
04. & 05. Juni 2022, jeweils 10–17 Uhr, keine Anmeldung erforderlich

Mittelalterliche Erlebnistage: Von Hexen, Helden und Meisterschützen
Mit dem Bogen schießen wie einst Robin Hood! Wer das schon immer einmal ausprobieren wollte, ist auf der Hardenburg bei Bad Dürkheim genau richtig. Unter Anleitung können kleine und große Besucherinnen und Besucher zum Bogen greifen und versuchen, ihr Ziel zu treffen. Nach dem Training lädt die Märchenerzählerin zu Geschichten aus längst vergangenen Zeiten ein. Im Erlebnisbereich können sich die kleinen Gäste eine Robin-Hood-Mütze basteln.
23. & 24.07.2022, jeweils 10–17 Uhr, keine Anmeldung erforderlich

Mittelalterliche Erlebnistage: Von Köchen, Quacksalbern und Heilerinnen
Die mittelalterliche Koch- und Heilkunst steht bei diesem Erlebniswochenende im Fokus. Die Besucher*innen lernen uralte Rezepte, heilsame Tipps kennen und erfahren viel Wissenswertes über Anbau und Handelswege von Kräutern und Heilpflanzen, über den damaligen Stand der Medizin und Heilkunde ebenso wie über die kuriosen Wundermittel der Quacksalber.
27. & 28.08.2022, jeweils 10–17 Uhr, keine Anmeldung erforderlich

Weitere Infos zu Terminen, Dauer und Anmeldung unter www.burgenlandschaft-pfalz.de/hardenburg

Bildnachweis:
Dietrich Bechtel; ©GDKE, Ulrich Pfeuffer (Löwenherz)

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz

Unter dem Motto „Wir machen Geschichte lebendig!“ erforschen, sichern, sammeln und vermitteln die sechs Direktionen unter dem Dach der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) das Kulturelle Erbe des Bundeslandes. Ihren Sitz hat die Obere Landesbehörde, die direkt dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur nachgeordnet ist, in der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz. Zu den Liegenschaften und Denkmälern, für die die GDKE in der Metropolregion Rhein-Neckar zuständig ist, gehören das Schloss Villa Ludwigshöhe in Edenkoben, die Reichsburg Trifels in Annweiler und die Hardenburg in Bad Dürkheim. In Speyer ist eine Außenstelle der Landesarchäologie beheimatet, die unter anderem das „Archäologische Schaufenster“ betreibt.
AdresseGeneraldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz // Festung Ehrenbreitstein // 56077 Koblenz // Telefon: 0261 6675-0 (Zentrale)
facebooktwitterg+Mail