Historisches Museum der Pfalz

Das Haus der Herrscher

› Anlässlich des 750. Jubiläums der Thronbesteigung Rudolfs, bei der 1273 aus dem Grafen von Habsburg der erste römisch-deutsche König aus dem Geschlecht der Habsburger wurde, zeigt das Historische Museum der Pfalz ab Oktober eine Landesausstellung unter dem Titel „Die Habsburger im Mittelalter. Aufstieg einer Dynastie“. „Damit schließen wir eine Lücke im Reigen der Schauen, die bislang die großen Herrscherdynastien, wie die Salier, Staufer oder Wittelsbacher, in den Blick genommen haben“, erklärt Alexander Schubert, Direktor des Historischen Museums der Pfalz. „Zudem hat von den deutschen Museen den Habsburgern noch keines eine große Mittelalterausstellung gewidmet.“
  • historisches museum pfalz speyer ausstellung habsburger
Dass ausgerechnet das Museum in Speyer den Aufstieg der Dynastie von Rudolf I. bis Maximilian I. nachzeichnet, ist kein Zufall: „Wo mehrere meiner Vorfahren liegen, die auch Könige waren“, an diesem Ort wollte Rudolf I. im Jahr 1291 beigesetzt werden. In Speyer ruhten bereits damals bedeutende Könige und Kaiser der Staufer- und Salierdynastien. Heute kann in der Herrschergrablege des Speyerer Doms, der sich nur wenige Meter vom Museum entfernt befindet, nicht nur die letzte Ruhestätte des ersten römisch-deutschen Königs aus der Familie der Habsburger besichtigt werden, sondern auch die seines Sohns König Albrecht I. von Österreich.

Die Ausstellung beginnt mit der überraschenden Wahl Rudolfs zum König und stellt davon ausgehend die Geschichte der Habsburger und ihrer Kämpfe um die Königsherrschaft vom 13. bis zum 15. Jahrhundert dar. Und bereits in diesem ersten Raum des Rundgangs zeigt sich, dass es dem Speyerer Museumsteam erneut gelungen ist, den Besucher*innen mit aktuellen Bezügen und einem Augenzwinkern einen überraschenden und lockeren Einstieg ins historische Thema zu bieten.

Die Habsburger auf dem Weg zur Spitze

„Da die Geschichte der Habsburger im Mittelalter ein zutiefst europäisches Thema ist, haben wir für die Ausstellung mehr als 200 hochkarätige Exponate von insgesamt 67 Leihgebern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich zusammengetragen“, berichtet Schubert. Unter ihnen befindet sich beispielsweise ein Pergament aus dem Jahr 1360, das man heute › als „beglaubigte Kopie“ des sogenannten „Privilegium Maius“ bezeichnen würde. Mit diesem versuchten die Habsburger etliche Sonderrechte zu beanspruchen. Tatsächlich handelt es sich aber bereits bei den zugrundeliegenden Dokumenten um einen Komplex aus gefälschten und echten Urkunden, der als eine der bedeutendsten Täuschungen des Mittelalters gilt. Der Schwindel flog zwar auf, ist aber ein spannendes Beispiel für das durchaus gewiefte Vorgehen der Habsburger bei dem konsequenten Vorhaben, an die europäische Fürstenspitze zu gelangen.
  • historisches museum pfalz speyer ausstellung habsburger olifant
    Eindrucksvoll — Die Speyerer Ausstellung präsentiert einzigartige Exponate wie den Olifanten des Grafen Albrecht III., …
  • historisches museum pfalz speyer ausstellung habsburger goldene bulle
    … eine Originalausfertigung der Goldenen Bulle, die bis 1806 die Königswahl regelte, oder …
  • historisches museum pfalz speyer ausstellung habsburger gebetsnuss
    … die Gebetsnuss Marias von Burgund.
Nicht minder berühmt ist die „Goldene Bulle“, die in einer Originalausfertigung von 1356/1357 zu sehen ist. Dieses kaiserliche Gesetzbuch regelte die Wahl und die Krönung der römisch-deutschen Könige und Kaiser bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806. Und auch private Besitztümer der Habsburger, wie der „Olifant“, ein reich verziertes Elfenbeinhorn des Grafen Albrecht III. von Habsburg, oder eine handwerklich virtuose Gebetsnuss aus dem Besitz Marias von Burgund werden in Speyer ausgestellt. Zu den jüngeren Objekten gehört der Tiroler Erzherzogshut, der vermutlich unter Erzherzog Ferdinand II. in Auftrag gegeben wurde und viel über Selbstverständnis und Selbstdarstellung der Habsburger verrät.

Ein XXL-Filmabend für alle Sissi-Fans

Wer sich akustisch durch die Ausstellung leiten lassen möchte, kann die neue Museums-App unter dem Stichwort „Historisches Museum der Pfalz“ aus den gängigen App-Stores herunterladen. Unterschiedliche Touren sind kostenfrei abruf- und miteinander kombinierbar, neben der Haupttour beispielsweise auch eine, die sich der schweizerischen beziehungsweise österreichischen Perspektive widmet. Für Kinder im Alter ab etwa zehn Jahren gibt es auch eine kindgerechte Audiospur. Neben den Audiotouren präsentiert die App noch viele weitere Medienangebote zur Ausstellung und zum Museum selbst.Und für alle, die beim Stichwort „Habsburger“ nicht anders können, als an Elisabeth von Österreich zu denken, gibt es im Begleitprogramm einen XXL-Filmabend, bei dem die Original-Sissi-Trilogie mit Romy Schneider und Karlheinz Böhm zu sehen sein wird. Taschentücher mitbringen! ‹


Die Habsburger im Mittelalter. Aufstieg einer Dynastie
16. Oktober 2022 bis 16. April 2023
Historisches Museum der Pfalz, Speyer
www.habsburger-ausstellung.de
#HabsburgerAusstellungSpeyer
Bildnachweis:
Die Habsburg im Kanton Aargau © Aargau Tourismus; © KHM-Museumsverband (Olifant); © Bergbau- und Gotikmuseum Leogang (Gebetsnuss); © Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt (Goldene Bulle); © Historisches Museum der Pfalz/Foto: Julia Paul (Innenansicht Statuen)

Historisches Museum der Pfalz Speyer

Das Historische Museum der Pfalz sowie das Junge Museum stehen für interessante Ausstellungen, informative Wissensvermittlung und unterhaltsame Veranstaltungen. Besondere Highlights sind die Sonderausstellungen, die mit ihren vielen interaktiven Angeboten und spannenden Exponaten zahlreiche Besucher auch von außerhalb der Region anlocken. Darüber hinaus bieten die Sammlungsausstellungen einen faszinierenden Einblick in die Geschichte der Region — von der Urgeschichte über die römische Antike bis in die Neuzeit.
AdresseHistorisches Museum der Pfalz Speyer // Domplatz 4 // 67346 Speyer // Telefon: 06232 13250 // E-Mail: info@museum.speyer.de
ÖffnungszeitenDienstag bis Sonntag 10–18 Uhr
facebooktwitterg+Mail