Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz

Wasser marsch!

› Malerische Weindörfer, sanfte Hügel, Baudenkmäler wie das Schloss Villa Ludwigshöhe oder die Reichsburg Trifels und im Hintergrund die Kegelberge des Pfälzerwalds — die Südpfalz gehört weit über die Kulturregion Rhein-Neckar hinaus zu den beliebtesten Ausflugs- und Urlaubsgebieten. Weit weniger bekannt ist aber, dass sie über eine einzigartige Kulturlandschaft verfügt: die Queichwiesen, die sich westlich von Landau auf einer Fläche von rund 450 Hektar erstrecken. Sie sind damit das größte zusammenhängende Wiesenbewässerungssystem Deutschlands und wurden bereits 2018 in das bundesweite Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe aufgenommen.

Gräben, Schleusen und Drainagen

Namensgeber der Landschaft ist die Queich, ein fast 52 Kilometer langer Nebenfluss des Rheins. Um die nährstoffarmen Uferwiesen landwirtschaftlich nutzen zu können und auch in trockenen Jahren eine erträgliche Heuernte einzufahren, entwickelten die Bewohner*innen der Gegend bereits vor 500 Jahren ein raffiniertes Bewässerungs- und Stauungssystem aus Gräben, Schleusen, Wehren und Drainagen, mit dem sie die Wiesen je nach Bedarf fluten oder trockenlegen konnten.
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    Artenvielfalt — Die Queichwiesen sind auch ein Biotop für seltene Pflanzen und Tiere.
Zusätzlich zum landwirtschaftlichen Nutzen entwickelte sich aus der Kulturlandschaft ein bemerkenswertes Naturparadies, in dem bis heute unzählige schützenswerte Tiere und Pflanzen beheimatet sind, darunter nicht nur der Weißstorch, sondern auch viele andere seltene Vogel-, Amphibien-, Insekten- und Pflanzenarten.

Im Dezember 2023 wurden die Queichwiesen auf der UNESCO-Tagung in Kasane, Botswana, nun als Teil des Netzwerks „Traditionelle Bewässerung: Wissen, Technik und Organisation“ in die Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Gegenstand dieses Titels sind nicht die Queichwiesen selbst oder die technischen Bauwerke, sondern die landwirtschaftliche Kulturtechnik, die auf einem über Jahrhunderte von Generation zu Generation weitergegebenen Wissen beruht.

Die Queichwiesen sind Bestandteil eines europaweiten Netzwerkes, dessen Mitglieder es sich zum Ziel gesetzt haben, die lokale Wiesenbewässerung zu erhalten oder zu reaktivieren und als Immaterielles Kulturerbe anerkennen zu lassen. An dem von Österreich koordinierten Antrag zur Aufnahme in die UNESCO-Liste waren neben Akteuren aus Deutschland auch belgische, italienische, luxemburgische, niederländische und schweizerische Initiativen beteiligt. ‹

Mehr Infos unter: queichwiesen.de
Bildnachweis:
P. Hilsendegen

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz

Unter dem Motto „Wir machen Geschichte lebendig!“ erforschen, sichern, sammeln und vermitteln die sechs Direktionen unter dem Dach der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) das Kulturelle Erbe des Bundeslandes. Ihren Sitz hat die Obere Landesbehörde, die direkt dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur nachgeordnet ist, in der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz. Zu den Liegenschaften und Denkmälern, für die die GDKE in der Metropolregion Rhein-Neckar zuständig ist, gehören das Schloss Villa Ludwigshöhe in Edenkoben, die Reichsburg Trifels in Annweiler und die Hardenburg in Bad Dürkheim. In Speyer ist eine Außenstelle der Landesarchäologie beheimatet, die unter anderem das „Archäologische Schaufenster“ betreibt.
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