Carl-Theodor-Jahr

„Ein großer Weichensteller“

  • hiram kümper carl theodor mannheim
Herr Kümper, warum ist die Erinnerung an Carl Theodor heute noch relevant?
Gerade für die Region ist Carl Theodor einer der großen Weichensteller. Wir erleben Rhein-Neckar als innovative Region mit prägenden Traditionsunternehmen. Diese Verbindung von Technik, Wissenschaft und Wirtschaft hat in der Regentschaft Carl Theodors ihren Ursprung. Er transformierte die Kurpfalz zu einer fortschrittlichen Agrar-, Wirtschafts- und Kulturregion.

Aufgewachsen ist Carl Theodor in Brüssel. Wie war sein Ankommen hier?
Er hat sehr schnell den Hof zu seinem gemacht und ihn ausgebaut — nicht nur die Gebäude, sondern auch das Hofleben mit Künstlern und Wissenschaftlern. Und er holt Leute an seinen Hof, die wir heute als Entrepreneur bezeichnen würden: Menschen mit verrückten Ideen auf der Suche nach Investitionskapital.

Was kann man über den Politiker Carl Theodor sagen?
Im außenpolitischen Bereich schafft er es mit viel Geschick, sich zwischen Frankreich, dem Kaiserhof in Wien und dem Preußenkönig zu behaupten und aus allen Kriegen der Zeit herauszuhalten. Grundsätzlich gelingt es ihm, den Krieg aus der Kurpfalz fernzuhalten.

Und wie steht es um den Kunstmäzen?
Carl Theodor macht Mannheim zu einem Kulturzentrum Europas, klingt nach einem Superlativ, stimmt aber. Das betrifft die Hofmusik, die europaweit bekannt ist. Nicht umsonst bemüht sich Mozart hierhinzukommen. Außerdem baut er den Antikensaal aus und gründet 1763 die Akademie der Wissenschaften — durchaus nicht üblich an kleinen Höfen. Damit reiht er Mannheim ein in Metropolen wie Berlin, München oder Paris.

Wie bringt er die Wissenschaft voran?
In den 1770er-Jahren schaut die ganze Welt nach Käfertal. Journalisten aus Paris, aus Russland und Dänemark kommen angereist. Ein Wallone namens Lemaitre betreibt hier im Jagdrevier des Kurfürsten ein besonderes Laborgut, auf dem neue Techniken ausprobiert werden. Er erhält den Auftrag, Rhabarber anzubauen und erstmals in Europa zu kultivieren. Die Geschichte ist sehr genau und detailreich überliefert, auch wie die Samen über zwei Handwerksgesellen an den Kurfürsten herangetragen wurden und der sich überzeugen ließ, zu investieren. Obwohl die Sache letztlich schiefgeht, blickt die ganze Welt plötzlich auf Käfertal und sieht, dass hier auf der Höhe der Technik geforscht wird.

1777 übernimmt Carl Theodor die Bayerische Kurwürde und zieht nach München. Ein Schock für Mannheim?
Auf jeden Fall. Carl Theodor war hier nicht nur sehr beliebt, für Mannheim war der Umzug eine Katastrophe. Die ganze Stadt hatte sich in dieser relativ kurzen Residenzzeit von 50 Jahren auf diesen Hof eingestellt und war auch wirtschaftlich weitgehend vom Hof abhängig. Allerdings hat Carl Theodor noch unmittelbar vor seinem Weggang das Nationaltheater gegründet — und damit nicht nur ein kulturell, sondern auch gerade in jener Zeit ein wirtschaftlich wichtiges Erbe hinterlassen.


Happy Birthday, Kurfürst!

Rund um den Geburtstag des Kurfürsten laden verschiedene Akteure dazu ein, das Carl-Theodor-Universum zu entdecken.

Reiss-Engelhorn-Museen

Die kleine, aber feine Schau „Ein Kurfürst auf Zukunftskurs“ beleuchtet einige bisher wenig beachtete Facetten Carl Theodors. Sie zeigt, wie überraschend innovativ der kultur- und wissenschaftsbegeisterte Regent war.
06.12.2024–25.05.2025, Museum Zeughaus, www.rem-mannheim.de

Kurpfälzisches Museum Heidelberg

In der Bel Etage des barocken Museumspalais vermitteln Gemälde, Porzellan und Medaillen einen Einblick in das Leben Carl Theodors. Vorträge, Führungen und Konzerte ergänzen das Programm.
Infos unter museum-heidelberg.de

Schloss Schwetzingen

In der kurpfälzischen Sommerresidenz sind unter anderem kostbare Stücke aus der Frankenthaler Porzellanmanufaktur und Gemälde zu sehen. Im Grünen Speisezimmer ist eine Tafel mit dem Original- Porzellan aus dem Mannheimer Hofservice eingedeckt.
Bis 27.10.2024, www.schloss-schwetzingen.de

Nationaltheater Mannheim

Carl Theodor beschäftigte an der Mannheimer Hofkapelle die besten Instrumentalvirtuosen und gründete das Nationaltheater. Am 10. Dezember zum 300. Geburtstag feiert das NTM in einer Reihe von Veranstaltungen unter anderem in Kooperation mit dem Cinema Quadrat und der Musikalischen Akademie den Jubilar und sein Wirken.
www.nationaltheater-mannheim.de

MARCHIVUM

Die Schau „Carls Theodors Mannheim — Die Stadt, ihre Menschen und der Kurfürst“ lädt ein, durch das Mannheim des 18. Jahrhunderts zu wandeln, Zeitgenossen Carl Theodors kennenzulernen und Einblicke in das kurfürstliche Leben zu erhalten.
16.10.2024–26.01.2025, marchivum.de

Stadtrundgänge in der Region

Schwetzingen, Frankenthal, Mannheim, Heidelberg — überall hat Carl Theodor seine Spuren hinterlassen. Kostümführungen, musikhistorische und stadtgeschichtliche Rundgänge, eine Fahrradtour entlang der einstigen Maulbeerallee laden dazu ein, dem Kurfürsten nachzuspüren.


Mehr Infos und Termine unter www.carltheodor2024.de

300 Jahre Kurfürst Carl Theodor

Carl-Theodor-Jahr. Zum 300. Geburtstag des Kurfürsten bietet die Kulturregion ein breitgefächertes Programm mit Ausstellungen, Konzerten, Lesungen, Vorträgen, Führungen und vielem mehr.
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